Klassenkampf statt Weltkrieg

Zum 67. Jahrestag

der Befreiung vom Hitlerfaschismus

DAS FEUER, DAS SIE LÖSCHEN WOLLEN, NÄHREN SIE SELBST

Veranstaltungsreihe

Nur die Einheit der Arbeiter und der Völker über die Grenzen hinweg kann den Krieg verhindern und den Frieden bewahren. Im fünften Jahr nun wütet die Weltwirtschaftskrise. Sie findet kein Ende, denn sie steht am Ende einer alten, einer sterbenden, der kapitalistischen Wirtschaftsweise. Sie hat schlimmere Verwüstungen angerichtet, mehr Armut, Erwerbslosigkeit, Elend und Hunger hervorgebracht als viele Kriege der Vergangenheit. Sie hat den Verursachern der größten Krise in der Geschichte dieses Wirtschaftssystems Hunderte von Milliarden aus den Steuern und Kassen der Völker zugeschoben und verspricht ihnen weitere Hunderte von Milliarden; und die werden durch nichts gedeckt sein als durch die Entschlossenheit der Regierungen und Staatsapparate, das eigene Volk wie andere Völker mit Inflation und weiteren Raubpaketen zahlen zu lassen. Sie hat „mitten im Frieden“ ganze Länder zu Protektoraten der Großmächte, allen voran der Großmacht Deutschland gemacht. Sie setzt den deutschen Gauleiter nach Athen und stellt die italienische Regierung unter deutsche Aufsicht. Sie macht mit dem deutschen „Fiskalpakt“ den Bruch des Völkerrechts zum Tagesgeschäft der großdeutschen Regierung und soll die Länder des Kontinents unter Zwangsverwaltung stellen.

Genau so werden Kriege vorbereitet und gemacht. Das nächste Opfer der Krise wird der Frieden sein, wenn die Völker es nicht verhindern und denen die Hände zerschlagen, die ihn vorbereiten und die, wie die deutsche Kanzlerin, in Parlament und Presse vom Krieg sprechen. So nähren sie das Feuer, das sie löschen wollen. »Die Kapitalisten wollen keinen Krieg Sie müssen ihn wollen.

Die deutschen Kapitalisten haben zwei Möglichkeiten in einem Krieg.
1. Sie verraten Deutschland und liefern es an die USA aus. (Petain.)
2. Sie betrügen die USA und setzen sich an die Spitze.« (Bertolt Brecht, 1954)

Seht euch das heutige Europa an, im fünften Jahr der Weltwirtschaftskrise: Sie haben sich an die Spitze gesetzt! „Die deutsche Haushaltsdisziplin vollendet, was die Wehrmacht vor 70 Jahren nicht geschafft hat“, schreibt die amerikanische Zeitschrift „Weekly Standard“. In Osteuropa wird Wirklichkeit, wovon die Herrn Schäuble und Lamers 1994 nur träumten, nämlich daß „Deutschland versucht sein könnte, die Stabilisierung des östlichen Europa alleine und in der traditionellen Weise zu bewerkstelligen“. Deutsche Polizei, deutsches Militär stehen in „traditioneller Weise“ im osteuropäischen Land. Ja, unsere tschechischen und polnischen Brüder kennen ihn gut, diesen anderen Feind neben den eigenen Herren. Sie kennen ihn seit den Hussitenkriegen in Böhmen und Mähren und den Einfällen des Deutschen Ordens in Polen. Zuletzt konnte er nur durch die Rote Armee der Arbeiter und Bauern und durch den Aufstand der Völker von dort vertrieben werden.

Aber auch wir kennen doch diese Herren! Ihr erinnert euch? Sie haben unseren Urgroßvätern im August 1914 einen „Urlaub in Paris“ und eine siegreiche Heimkehr bis Weihnachten vorausgesagt. Sie haben 1939 dem Schmitt vom Rheine die Ukraine und Krause Paris zu schenken versprochen. Noch jedesmal endete es in den Trümmern deutscher Städte. Spanien, Griechenland, Portugal, Irland – ganze Länder an den Bettelstab gebracht, und die Tresore deutscher Banken und Monopole voll mit Schuldscheinen dieser Länder, von denen sie selber sagen, daß normaler Handel und Wandel sie nie mehr wird einlösen können. Es bleibt: die Gewalt des Raubs. Sie lassen ihre Berater aufschreiben und ihre Rohstoffausschüsse planen, wie man Rußland notfalls mit militärischer Gewalt zwingen könne, die Pipelines offen und die Transportwege frei zu halten. Jenseits der Oder und hinter dem Bayerischen Wald aber liegen die Länder und Menschen, die sie dazu brauchen werden.

Wir wissen, wovon wir sprechen. Wir haben es gesehen, als wir im Mai 2011 mit einem Konvoi gegen den deutschen Krieg durch die annektierte DDR, durch die Tschechische Republik und durch Polen gefahren sind. Wir haben gesehen, was es heißt, unter die Deutschen zu fallen. Wir haben die verödeten Städte der bereits annektierten DDR gesehen, aus denen die Menschen scharenweise wegziehen. Wir haben gesehen, wie sie Verwüstungen anrichten und das Frieden nennen. Wir haben den Handel, die einst großen, jetzt aber kleinen Fabriken, die weiten Landstriche in der Tschechischen Republik gesehen, jetzt in der Hand von VW, Commerzbank, Lidl, Aldi und von deutschen Großgrundbesitzern. Wir haben erlebt, wie deutsche Polizei bis weit nach Polen hinein unseren Zug der Warnung und Aufklärung gegen neue deutsche Okkupation begleitend schikanieren wollte, bis wir sie verjagt haben.

Wir haben auch gesehen: die grüßenden Fäuste der Arbeiter in den Vorstädten von Prag und die polnische Freude über Hammer und Sichel auf einem Wagen der Roten Armee. Was noch zu wenige von uns verstanden haben, unsere Herren haben es verstanden: daß die Freiheit der Arbeiter und Völker nicht teilbar ist. Schon jetzt wendet sich der Krieg, den du in die Länder tragen sollst, gegen dich, Arbeiter, Intellektueller, Angestellter in der BRD. Er setzt dir den militärischen Heimatschutz in die Rathäuser, die paramilitärische Streikbrecherorganisation THW in die Betriebe, keilt an den Schulen deine Kinder für den nächsten Krieg und läßt die Bundeswehr den Häuserkampf gegen Arbeiter übengegen streikende Arbeiter hüben wie drüben! Wir haben beschlossen, daß es mit uns ein drittes Mal nicht geben darf. Daß wir nicht abwarten und nicht ausprobieren wollen, ob ihre dritte Weltwirtschaftskrise die erste ist, die nicht sofort in einen Weltkrieg mündet.

Die Rote Armee der Arbeiter der Sowjetunion – wir haben sie nicht mehr. Die Arbeiterund Volksarmee, die den nächsten deutschen Krieg verhindern muß, sind wir und niemand anderes. Deswegen haben wir uns zusammengeschlossen mit Organisationen von Sozialisten, Kommunisten, revolutionären Jugendlichen, Soldaten gegen den Krieg, Bürgern der Tschechischen Republik und Polen. Wir erklären, daß man nur über die Grenzen hinweg organisiert gegen den Krieg gewinnen kann. Wir beraten, wie man kämpfen muß, zum Beispiel auf unserer internationalen Konferenz in München Ende Januar 2012, deren Erklärung wir in dieser Flugschrift abdrucken. Zum 67. Jahrestag der Befreiung vom Hitlerfaschismus werden wir in 7 Städten über unsere internationale Antikriegsaktion „Klassenkampf statt Weltkrieg“ informieren. Wir werden einen Film zeigen darüber, was wir getan haben, berichten, was wir weiter tun wollen – und wie wir das zusammen mit euch tun können, die ihr dieses Flugblatt lest.

Banner Klassenkampf statt Weltkrieg